Ralf Gude, Hotel Gude

Im Zeichen des grimmschen Wörterbuchs

Familie Gude lädt ein in die Documenta Stadt und Heimat der Gebrüder Grimm: Kassel

Kassel findet man eher selten in einer Liste der beliebtesten Ferienorte Deutschlands. Dabei liegt die Stadt eigentlich sehr zentral und in überwindbarer Distanz zu jeder deutschen Großstadt. Außerdem ist Kassel alle fünf Jahre Gastgeber der Documenta und war zu Studienzeiten und darüber hinaus die Heimat der Gebrüder Grimm. Ganz im Zeichen von deren Schaffen steht das Hotel Gude, ein in dritter Generation geführter Familienbetrieb in Niederzwehren, einem historischen Stadtteil von Kassel. Ralf Gude hat das Haus 2003 von seinen Eltern übernommen und in das digitale Zeitalter geführt. Das äußert sich auch darin, dass heute alle Heizungen in den 89 Zimmern des Hauses durch ein zentrales System automatisiert gesteuert werden. Das System iQ Roomcontrol macht ziemlich genau das, was der Name verspricht: die Kontrolle der Temperatur in den Zimmern. Es stellt sicher, dass nur in belegten Zimmern geheizt wird. Es registriert, wenn ein Fenster geöffnet wird und regelt die Heizung dementsprechend runter. Außerdem heizt es das Zimmer vor Ankunft der Gäste auf eine gewünschte Temperatur auf. Alles, was Ralf Gude für die Installation von iQ Roomcontrol tun musste, war Funkthermostate an den einzelnen Heizkörpern anbringen zu lassen und vereinzelte Controller im Gebäude zu verteilen. Über Funk kommunizieren diese mit dem computergesteuerten System - bauliche Maßnahmen waren keine nötig.

"Hier müssen wir häufig im laufenden Betrieb umbauen und renovieren“

Von denen hat Gude ohnehin genügend. Bei einem Haus dieser Größe fallen ständig kleinere und größere Bauarbeiten und Reparaturen an. Auch, weil das Hotel aus mehreren, verschieden alten Gebäudeteilen besteht. „Bei den großen Hotelketten wird alles auf einmal gebaut. Hier müssen wir häufig im laufenden Betrieb umbauen und renovieren“, so Gude. Von den Umbaumaßnahmen bekommen die Gäste genauso wenig mit wie von der Heizungstechnik, die im Hintergrund läuft. Vielmehr fällt auf, dass sich ein Thema durch das ganze Hotel Gude zieht: Das einst von Jacob und Wilhelm Grimm begonnene deutsche Wörterbuch, das heute das umfassendste Wörterbuch zur deutschen Sprache ist. Mitte des 19. Jahrhunderts fingen die Brüder Grimm mit dem Großprojekt an, dessen Beendigung sich schnell als Illusion herausstellen sollte. Über den Buchstaben „F“ kamen sie nicht hinaus.

Liebevolle Details soweit das Auge reicht

Erst 1961 wurde das Projekt vollendet. Der Geist aus der Zeit der Brüder Grimm lebt heute im Hotel Gude weiter. An der Wand im Empfangsbereich hängen Holzschilder, auf denen jeweils das erste und letzte Wort der 32 Bände des grimmschen Wörterbuchs eingraviert sind. „Biermörder“ und „Seeleben“ stehen da, irgendwie merkwürdige, aus der Zeit gefallene Begriffe. Im Boden sind weitere Wörter eingelassen, die alle eine spezielle Bedeutung haben und in einer bestimmten Beziehung zum Hotel stehen, aber auch einfach als grafisches Element funktionieren. In der Lobby, auf der Theke der Rezeption: überall finden sich kleine, liebevolle und durchdachte Details, die auf den ersten Blick einfach schön sind und auf den zweiten alle einen Bezug zum Thema haben. Trotz alldem ist das Hotel Gude keine Universitätsbibliothek. „Wir freuen uns, wenn jemand nachfragt. Aber belehren wollen wir unsere Gäste auf keinen Fall“, sagt Ralf Gude, für den das Wörterbuch der Grimms mehr eine schöne Geschichte und Orientierung bei der Gestaltung seines Hotels ist und weniger intellektueller Show-Off.

„Die wollten mir ein großes Logo in die Lobby hängen. Aber das ist hier doch kein Haus einer großen Hotelkette.“

Kleine Details in den Zimmern und Suiten erinnern ebenfalls an die Gebrüder Grimm. Insgesamt wohnt und schläft man hier in Kassel in lichtdurchfluteten Zimmern, eingerichtet mit hochwertigen Möbeln, darunter von den Ray und Charles Eames entworfene Stühle. Ein Faible für Geschwisterpaare lässt sich im Hotel Gude wohl kaum leugnen. Bei der Einrichtung behilflich war Professor De Jong, der an der Universität der Künste in Folkwang Kommunikationsdesign lehrt und einen Teil der Möbel und verwendeten Materialien im Hotel Gude ausgesucht hat. Architekten vertraut Ralf Gude dagegen weniger: „Die wollten mir ein großes Logo in die Lobby hängen. Aber das ist hier doch kein Haus einer großen Hotelkette.“ Der Hotelchef strebt nach Individualität und Besonderheiten. Das äußert sich nicht nur darin, dass er statt dem Logo seines Hotels die hölzernen Schilder mit den Begriffen aus dem deutschen Wörterbuch in die Lobby hängt: die Zimmer unterscheiden sich voneinander und sind in unterschiedlichen Farben gestrichen. „Mein Wunsch ist, dass den Gästen unsere Zimmer in Erinnerung bleiben.“ Den Gästen bleiben die Zimmer offenbar nicht nur in Erinnerung, sie empfehlen das Hotel auch weiter. Der Ruf des Hotel Gude als das „erste Haus am Platz“ in Kassel hat sich bis ganz nach oben herumgesprochen. Im Haus von Ralf Gude wohnen regelmäßig wichtige Mitglieder der Polit-und Kulturelite. Norbert Lammert logierte hier während einer Wahlkampfreise, das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude wohl während einer Documenta und auch Joachim Gauck, Udo Lindenberg und Loriot waren schon hier. Bessere Referenzen gibt es wohl kaum.