Ina Sonntag, Schloss Kartzow

Früher Sozialpädagogin, heute Hotelchefin

Weitläufig, ruhig, schön!

Verlässt man Berlin mit dem Auto in Richtung Westen und fährt vorbei an Industriegebieten, dem ehemaligen Olympiadorf, Schrebergartensiedlungen und anderen Institutionen der Vorstadt, dann erreicht man irgendwann die Döberitzer Heide. Das klingt nicht nur wirklich erholsam und ruhig, das ist das weitläufige Waldgebiet auch. Und dort, nördlich von Potsdam und damit nicht nur Berlin sehr nahe, liegt Schloss Kartzow. Schloss Kartzow ist ein kleines, inhabergeführtes Hotel. Aus architektonischer Sicht ist das Gebäude eigentlich eher Herrenhaus als Schloss. Aber Schloss klingt ohne Frage wesentlich großzügiger. Und sowieso: der Bezeichnung wird das am Waldrand gelegene Anwesen mehr als gerecht. Das liegt auch daran, dass Hotelchefin Ina Sonntag das Haus, das auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann, mit viel Fingerspitzengefühl renoviert und restauriert hat. Historische Farben sind erhalten geblieben und die Fassade ist mit großem Aufwand wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzt worden.

Schloss Kartzow: Spannende Historie und digitale Zukunft

Bei aller Liebe und Verbundenheit zur Historie des Hauses vergisst Ina Sonntag dabei nicht, den Blick in die Zukunft zu richten. Und so gibt es seit Kurzem in jedem der zwölf Zimmer und Suiten das iQ Tab. Ein Tablet, mit dem sich die Hotelgäste bequem über die Angebote und den Service des Hotels informieren und diesen direkt buchen können. Ein großer Fan der klassischen Gästemappe war Ina Sonntag sowieso noch nie. Auch deshalb war sie schon länger auf der Suche nach digitalen Informationsmöglichkeiten für ihre Gäste und zog zwischenzeitlich sogar eine eigens für Schloss Kartzow programmierte Lösung in Betracht. Letztlich wurden es dann aber die iQ Tabs von Betterspace. Die seien einfach zu bedienen und hätten dank der integrierten Speisekarte bereits innerhalb der ersten zwei Wochen den Umsatz im hoteleigenen Restaurant gesteigert, so Ina Sonntag. Außerdem blieb ihr so der Kampf mit der Technik erspart, die Tablets werden mitsamt der hotelspezifischen Inhalte übergeben und sind an die Corporate Identity des Hauses angepasst, bereit zur sofortigen Verwendung. „Weil das Haus so klein ist, versuche ich, so viele Alleinstellungsmerkmale wie möglich zu schaffen.“ Das ist ihr mit den iQ Tabs ganz hervorragend gelungen. Über die Tablets können sich die Gäste nämlich nicht nur über Ausflugsziele in der näheren Umgebung informieren, sondern auch Zusatzleistungen des Hotels buchen und im Internet surfen.

„Eigentlich bin ich eine Wedding-Planerin“

Bevor Ina Sonntag Schloss Kartzow kaufte und zum Hotel machte, diente es zeitweise als Unterkunft für Umsiedler und später als Kinderheim. Zuletzt stand es acht Jahre leer, denn eigentlich ist das Gebäude zu klein für ein Hotel. Nachdem Ina Sonntag das Haus 2006 kaufte, fanden deshalb auch bald die ersten Hochzeiten auf Schloss Kartzow statt, um den laufenden Hotelbetrieb querfinanzieren zu können. „Eigentlich bin ich eine Wedding-Planerin“, sagt Ina Sonntag lächelnd, die seit der Inbetriebnahme des Schlosses im Jahr 2007 um die 1000 Hochzeiten erfolgreich geplant und organisiert hat. Vom Klischee der strengen und knallharten Hotelchefin ist Ina Sonntag weit entfernt: „Die Zahlen und die Wirtschaftlichkeit sind natürlich von Bedeutung. Aber in erster Linie will ich, dass sich jeder, der hier ankommt, einfach wohlfühlt. Unter diesem Blickwinkel gehe ich auch durch das Haus.“ Das merkt man. Im Hotel riecht es nach Kaminfeuer und am Abend ist die Chefin oft persönlich für ihre Gäste da. „Ich will immer wissen, wo der Trend hingeht und was meine Gäste bewegt. Deshalb kümmere mich oft selbst um den Check In“, so die gelernte Sozialpädagogin. Dass sie nie eine Ausbildung im Bereich Hotelmanagement oder Touristik gemacht hat, hat für sie Vor-und Nachteile. „Ich mache bestimmt auch Sachen falsch, eben weil ich eine Quereinsteigerin bin. Aber die Gäste sagen mir immer wieder, dass ich viele Dinge berücksichtige, auf die ein gelernter Hotelier gar nicht achtet.“

Jedes Zimmer einzigartig

Ein Beispiel dafür sind die individuell eingerichteten Zimmer. Auf Schloss Kartzow unterscheidet sich jede Suite und jedes Zimmer von den anderen. Ina Sonntag kauft außerdem immer wieder neue Möbel und tauscht die Einrichtung aus, um auch Stammgästen etwas Neues bieten zu können. Dabei sind die einzelnen Bestandteile sorgfältig ausgewählt. Den Marmor bezieht Ina Sonntag vom Lieferanten aus dem nahen Berlin, Schränke und die Rezeption vom Schreiner aus dem Nachbardorf. „Ich versuche, Details einzubinden, die man nicht überall findet.“ Das ist ob der Größe des Hauses machbar wie notwendig. Denn große Marketingbudgets gibt es hier nicht, die Öffentlichkeitsarbeit liegt auch in den Händen der zufriedenen Gäste, die das Haus weiterempfehlen. Von den Problemen des Alltags und dem Stress der Großstadt scheint man auf Schloss Kartzow weit entfernt. Einzig und alleine zwei Dinge bereiten Ina Sonntag momentan Sorgen. Da ist zum einen das alte Gebäude, „bei dem man nie weiß, was einen erwartet.“ Und draußen ist derzeit eine Horde Wildschweine dabei, den zum Hotel gehörenden Park regelrecht zu verwüsten. Das ist natürlich alles andere als wünschenswert, aber: selbst die Probleme und Sorgen scheinen sehr idyllisch, hier in Kartzow.